Einbecker Klavierfrühling setzt wieder neue Maßstäbe
Vor Kurzem wurde wieder zum Einbecker Klavierfrühling eingeladen.
Dabei verwandelte sich Einbeck bereits zum zwölften Mal einen ganzen Tag lang in ein Zentrum der deutschen Nachwuchs-Pianistik. Was vor über einem Jahrzehnt klein begann, hat sich längst zu einer festen Größe im bundesweiten Klavierwettbewerbskalender entwickelt.
Und doch fühlte sich auch die Edition 2026 wieder an wie ein frischer Aufbruch: mit neuen Gesichtern, innovativen Preisen und einem Hauch von Hollywood.
Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden den Weg nach Einbeck. Das Feld war so bunt wie die gespielten Partituren: von lokalen Talenten aus der direkten Nachbarschaft über Gäste aus Berlin
bis hin zu weit gereisten Pianisten aus Schifferstadt in Rheinland-Pfalz. Trotz der beachtlichen Größe ist es Organisator Martin Keil und dem künstlerischen Leiter Gintaras Januševicius gelungen, das bewährte
familiäre Gefühl zu bewahren. Man kennt sich, man schätzt sich, und man feiert gemeinsam die Klaviermusik.
Ein besonderer Moment der diesjährigen Ausgabe wird wohl noch lange in Erinnerung bleiben: Als Aniya Saha aus Schifferstadt in der Aula der Goetheschule »Hedwig’s Theme« aus Harry Potter anstimmte,
war das Raunen im Saal förmlich greifbar.
Unter den Studenten der Feuerwerk-Klavierakademie gilt die Goetheschule ohnehin seit Jahren als das »Hogwarts von Einbeck«, und Aniyas Auftritt machte die Illusion perfekt und beeindruckte auch die
Jury.
Der zwölfte Klavierfrühling bot wieder einige Premieren. Zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs trat ein sechshändiges Ensemble auf und bewies, wie viel Energie und Koordination an einem einzigen Instrument möglich ist. Die Jurybank war auch dieses Jahr wieder mit Feuerwerk-Akademiestudenten besetzt, für die das Mitwirken in einer Wettbewerbsjury zum größten Teil Neuland war.
Sie brachten somit frischen Wind in die Bewertung. Die Begeisterung über das Niveau der Teilnehmerinnen war riesig, und die jungen Experten konnten wertvolle Erfahrungen in der pädagogischen Beurteilung sammeln. Eine echte Bereicherung war zudem der neu ausgelobte Sonderpreis der Plattform OKTAV, ein Service von Schott Music. Gewinner Konrad Lau darf sich über ein ganzes Jahr des Zugangs zu einem digitalen Notenarchiv freuen, das so gewaltig ist, dass man wahrscheinlich 100 Jahre bräuchte, um jedes Stück einmal zu spielen.
Besonders auffällig war in diesem Jahr die enorme Qualität der Musiker aus Hannover; die Stadt untermauerte ihren Ruf als Talentschmiede für den Klaviernachwuchs eindrucksvoll. Gleich viermal wurde die
höchste Wertung, der erste Preis mit Auszeichnung, vergeben. Philipp Bolgov, Maia Matyash, Lennart Meinen und Sofiia Yaroshenko stammen aus der hannoverschen Klavierszene. Die fünfte Gewinnerin eines
ersten Preises mit Auszeichnung war Nicole Cesenov aus Bielefeld.
Neben den klassischen Platzierungen wurden wieder kreative Sonderpreise verliehen, die den Wettbewerb so menschlich machen: Auszeichnungen gab es unter anderem für das beste Programm, die beste
Interpretation eines bestimmten Genres und sogar für das schönste Bühnenoutfit.
Ein Tag dieser Größenordnung lebt vom Ehrenamt und von engagierten Unterstützern. Dank der Bewirtung, die dieses Jahr für Besucher und Teilnehmer unter der Leitung von Jolanda Fritz vom Verein mutig
erbracht wurde, fühlten sich Gäste und Künstler rundum wohl. Die Mischung aus professionellem Anspruch und herzlicher Gastfreundschaft bleibt ein Markenzeichen des Klavierfrühlings.
Als verlässliche und treue Förderer stehen dem Klavierfrühling seit Jahren die KWS SAAT SE und die Firma Schott Music zur Seite.
Schließlich ging der Dank an Eltern, Lehrern, Freunden und Bekannten der Teilnehmenden, die es möglich machten, dass so viele und so gut vorbereitete Wettbewerbspianisten dabei waren. »Wir freuen
uns schon jetzt auf den Frühling im kommenden Jahr; am Sonntag, 20. März, heißt es in Einbeck wieder: Bühne frei für dieStars von morgen!«, so Martin Keil und Gintaras Januševicius.
