EIN-Wahl Was die Kandidierenden den Jugendlichen antworten
(Artikel EM) Drei Runden in einem spannenden Format, ohne Netz und doppelten Boden, mit Fragen, die in den vergangenen Wochen bei Einbecker Jugendlichen gesammelt worden waren. Die Kandidierenden für das Bürgermeisteramt, René Kopka, SPD, Omid Najafi, AfD, und Antje Sölter, CDU, stellten sich am Sonnabend gut eine Stunde lang bei der EinWahl 2026 vor die Kamera, live gestreamt über Youtube und weiterhin abrufbar unter bit.ly/4gyQLD6.
Es ging um allgemeine Fragen zu Einbeck und zum Amt, aber auch um Themen, die besonders Jugendliche interessieren. Ein etwa 15-köpfiges Team, bis auf zwei
Hauptamtliche alle ehrenamtlich und mit großem zeitlichen Einsatz dabei, hat seit März die EinWahl vorbereitet und Fragen über Formulare und soziale Medien oder
bei Schulbesuchen gesammelt und ausge-wählt.
Eine Woche lang wurde die Multi in ein Fernsehstudio umgewandelt, Scheinwerfer und Kameras aufgebaut. Start war zunächst mit einem Interview von Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, deren Amtszeit am 31. Oktober endet.
Anspruchsvoll, erlebnisreich und erfüllend, so habe sie ihr Amt erlebt. Sie berichtete von guten und schweren Entscheidungen. Per Video hat sie die Fragen gestellt,
dazu gab es Antwortvideos: René Kopka hatte sich vor einer neutralen Holzwand positioniert, Antje Sölter stand im Garten, Omid Najafi saß vor der Deutschlandflagge in einem Büro.
Woran wolle man in der Amtszeit gemessen werden? Angesichts einer Verschuldung von 39 Millionen Euro wolle er, dass die Bürger erfahren würden, wie mit den Finanzen gepfuscht werde und dass er Schaden abwende, sagte Najafi. Sölter möchte, dass die Bürger ihr Handeln als verlässlich und transparent beurteilen, Kopka verwies auf das, was er für Einbeck erreichen konnte und darauf, Präsenz zu zeigen.
Jeder Kandidierende hatte im Studio 60 Sekunden Zeit, die an ihn gestellte Frage zu beantworten. Einwände konnten die anderen Teilnehmenden mittels eines Buzzers
anmelden, dafür waren dann 30 Sekunden Redezeit. Gut sichtbar lief eine Uhr auf dem Bildschirm.
Die einleitende Studiofrage, die Moderatorin Olga von Petersson stellte, drehte sich um die Verbindung mit Einbeck. René Kopka antwortete, dies sei seine und die
Heimatstadt seiner Familie, die Vardeilserin Antje Sölter verwies auf die Verwurzelungim Dorf und in der Stadt, und der Hannoveraner Omid Najafi sagte, ihn verbinde der
schöne Charakter, den Einbeck biete, mit der Stadt. In der Kleinstadt direkt »oder in der größeren Stadt Northeim« (womit er faktisch allerdings falsch lag) könne man sein
Leben gestalten.
Die erste Fragerunde drehte sich um die Themen Mobilität, Schule, Familie und ein besseres ÖPNV-System, was ins besondere für Jugendliche wichtig ist. Ideen, wie
Jugendliche mehr Mobilität erfahren und wie der ÖPNV günstiger werden kann, waren gefragt, ebenso gute Kenntnisse zur Fahrrad-Infrastruktur. Das Engagement
der Stadt für die Schulen und dafür, wie sich die Kinder dort wohler fühlen kön nen, wurde beleuchtet, wobei Sölter unter anderem auf den Einsatz beim Ganztag und
die gute Ausstattung verwies, Kop ka auf Barrierefreiheit und mehr Grün und Najafi auf den fließenden Übergang vom Schulkindergarten in die Schule. Vereine, Jugendangebote, Schwimmbad: In diesem Block ging es um einen Kunstrasenplatz im Stadion, um die Weitergestaltung des wiederhergestellten Basketballplatzes in der Südstadt, aber auch um den Hinweis, dass es bereits viele Angebote gebe. Neuerungen seien aber immer zu überdenken.
Ein breites Geschäftsangebot in der Innenstadt, wie kann das gelingen? Potenzial und Leerstand seien vorhanden, vielleicht sollten neue Angebote zum »Ausprobieren« installiert werden, so Kopka. Gewerbesteuer kappen, um neue Geschäfte herzuholen, Unternehmer siedeln Unternehmer an, so Najafis Idee. Wirtschaftsförderung müsse
Chefsache sein, sagte Sölter. Um Jugendangebote bekannter zu machen, war Najafi dafür, Infomaterial in jeden Briefkasten zu stecken und Plakate in Schulnähe aufzuhängen, denn das Internet nutze nicht jeder. Kopka und Sölter würden auf digitale Angebote setzen, insbesondere die EinbeckGO-App.
Wirtschaft, Lifestyle, Sauberkeit, Umwelt und Sicherheit: Wie kann man die Innenstadt für Jugendliche besser gestalten? Auch hier verwies Najafi auf die Ansiedlungsmög-
lichkeiten über die Gewerbesteuer, die sei der Hebel. Treffpunkte müsse man schaffen, eventuell mit einem eigenen Raum für das Jugendparlament, so Kopka.
Der unangenehme Geruch in der Innenstadt nervt auch junge Nasen: Hier müsse man Geld in die Hand nehmen, um das Kanalsystem zu verbessern, forderte Kopka.
Gegen zu viel Müll wurde empfohlen, die Reinigungsintervalle anzupassen. Najafi wollte aber auch an die Bürger appellieren, aufmerksamer zu sein.
Infrastruktur für E-Autos, da läuft aus städtischem Engagement heraus schon etwas. Partner dafür können die Stadtwerke sein.
Sicherheit an den Bahngleisen: Hier gehe es um weitere Absicherung, sagte Kopka, wobei man die Risiken nicht ganz vermeiden könne.
»Sonstiges« war die letzte Fragestunde betitelt, und da war zunächst die Verbesserung von Inklusion Thema. Vereine sollte man weiter öffnen und jedem Zugang er-möglichen, so Antje Sölter, »kein Ausgrenzen«, auch nicht im Ton, sagte sie mit Bezug auf Äußerungen in den sozialen Medien.
René Kopka erwähnte unter anderem das Barrierekataster, das man weiter abarbeiten solle. Inklusion bedeute, dass die Gesellschaft jeden teilhaben lasse, so Omid Najafi;
er kritisierte, dass seiner Partei Räume ver- weigert würden und dass er nicht eingeladen werde – hier sehe er eine Exklusion.
Inklusion sei für Jugendliche ein barrierefreier Zugang zu Schulen und diskriminierungsfreiere Räumen, erläuterte die Moderatorin.
Eine attraktive Stadt kann gegen den demografischen Wandel wirken, mit Angeboten für Familien und eine gute Umgebung, mit Betreuung und Arbeitsmöglichkeiten.
Die Frage werde »zwischen den Fingern« beantwortet, erläuterte Najafi. Unternehmen, und hier nannte er auch Namen, würden Stellen abbauen. Den Wirtschaftstand-
ort zu stärken, werde über Steuersenkungen funktionieren.
Zwischen den Frageblöcken gab es Schnellfragerunden, wobei sich die Kandidierenden zwischen zwei möglichen Antworten entscheiden mussten.
Abschließend richtete Moderatorin Olga von Petersson den Appell an die Jugendlichen, wählen zu gehen. Wählen kann, wer mindestens 16 Jahre alt ist, die deutsche
oder eine EU-Staatsbürgerschaft hat und seit drei Monaten in Einbeck lebt. Bei der Bürgermeisterwahl ist nur ein Kreuz möglich, das sollte auf dem Wahlzettel eindeu-
tig erkennbar sein. Weitere Anmerkungen auf dem Zettel sind nicht erlaubt. »Geht wählen! Jede Stimme zählt, eure Stimme zählt.«
In einem anschließenden Resümee sagte Antje Sölter, der Abend habe Spaß gemacht. Persönlich hätte sie aber lieber den direkten Kontakt statt der Stellungnahmen vor der
Kamera. René Kopka stellte fest, dass die Jugendlichen sehr spannende Fragen er arbeitet hätten, deren Antworten gar nicht so einfach gewesen seien; angesichts der
finanziellen Limits der Stadt seien Riesen- versprechungen also nicht angesagt. Omid Najafi meinte, alle hätten die gleichen Chancen gehabt, der Bürger müsse entscheiden, wem er vertraue.
Am Sonnabend hatte der Youtube-Stream in der Spitze bis zu 160 zeitgleiche Zuschauer. Bis Sonntagnachmittag, 16.30 Uhr, wurde
er bereits 1.828 mal abgerufen.
Fotos Einbecker Morgenpost


